| |
|
| |
Die Geschichte von Joris en de Draak
(Georg und der Drache)
|
|
| |
|
|
 |
|
Es war einmal ein
kleines Königreich, das in die Klauen eines Drachens geraten
war. Nicht irgendeines Drachens, sondern eines schrecklichen
Monsters, das Feuer speien konnte. Er hauste in einem stinkenden
Sumpf, in dem er große goldene Dracheneier bewachte. Das riesige
Tier tat niemandem etwas zuleide jedenfalls nicht, solange es
genug zu fressen hatte.
Und der Drache war wählerisch: Er verlangte vom König, dass
dieser ihm jeden Tag zwei Schafe bringen ließ, die er verspeisen
konnte. So begab es sich, dass der König Tag ein, Tag aus, einen
Boten zum Sumpf schickte, um den
Drachen mit frischen Schafen zufrieden zu stellen. Seit Jahren
ging es so, und der König des Landes dachte sich: Solange der
Drache Schafe frisst statt Menschen, dürfen wir uns nicht
beschweren. |
|
|
| |
|
|
| |
Doch eines Tages eilte ein Ratsherr des Königs panisch in den
Palast. Majestät, Majestät! Ich habe schlechte
Nachrichten!. Setz dich erst einmal in Ruhe hin, entgegnete der
König gefasst, und berichte mir, was los ist.
?Oh Majestät, es ist schrecklich, rief der Ratsherr aufgeregt,
die Schafe sind alle! Die Schafe sind alle?, wiederholte der
König überrascht. Es ist, wie ich es sage, Majestät. Im
ganzen Land ist kein einziges Schaf mehr zu finden. Ihr wisst,
was das bedeutet: Der Drache wird wütend, wenn er nicht seine
tägliche Portion Schafe bekommt. Oh je, was machen wir
jetzt?, fragte der König. Auf jeden Fall müssen wir es ihm
mitteilen.
Besuch beim
Drachen
Oh Majestät, es
ist schrecklich, rief der Ratsherr aufgeregt, die Schafe
sind alle! Die Schafe sind alle?, wiederholte der König
überrascht. Es ist, wie ich es sage, Majestä
Und so machte sich der tapfere
König auf den Weg. Mit einem ängstlich zitternden Ratsherrn im
Schlepptau zog er in den Wald. Sie folgten einem verschlungenen
Pfad, der sie schließlich zu dem stinkenden Sumpf
führte. Zwischen den Nebelschwaden erblickten sie vage das
Glitzern einiger goldener Eier. Auf einer kleinen hölzernen
Brücke hielten sie inne und wurden von einem scheußlichen
Geräusch begrüßt.
WRAAAH!, brüllte der Drache, der vor ihnen aus dem Nebel
auftauchte. Da haben wir ja den König höchstpersönlich!
Wrahaha! Er sprang auf und schlug mit seinem mächtigen Schweif
so stark aufs Wasser, dass eine Flutwelle entstand. Die hohe
Welle riss den König und seinen Ratsherrn zu Boden. Klitschnass
lagen sie dort und der Drache lachte.
?Wrahaha! Ich bin der Herrscher über das Wasser! Der König erhob
sich als erster, rückte seine Krone zurecht und wrang seinen
Bart aus. ?Hmm, äh atsächlich, sehr eindrucksvoll, verehrter
Drache, sagte
er. Das will ich wohl meinen, brüllte der Drache stolz.
Und ich bin auch der
Herrscher über das Feuer! Dem Wort folgte die Tat und die
Flammen schossen meterweit aus seinem Maul. WUSCH! Die
Holzbrücke brannte im Nu lichterloh. ?Hilfe, schrie der Ratsherr
und sprang in seiner Panik ins Wasser. Das Feuer griff schnell
um sich, und auch der König konnte gerade noch rechtzeitig ins
Wasser springen. Ansonsten wäre er todsicher verbrannt. Die
beiden Männer standen bis zur Hüfte in dem trüben Tümpel und
sahen zu, wie der Drache das Feuer mit einem enormen Schwall
Wasser löschte.
|
|
| |
|
|
|
|
| |
|
|
| |
?WRAHAHA!, lachte er. Das hat Spaß gemacht! Aber was führt
euch eigentlich zu mir, werter König? Es ist so begann der König
ruhig, wie Ihr wisst, lasse ich Euch jeden Tag zwei Schafe
bringen. Allerdings? Der König zögerte und holte tief Luft. Dann
gestand er: Die Schafe sind alle. Das ist nicht gut,
König, sagte der Drache. Denn werde ich Euch und Euren Freund
verspeisen müssen! Wrahaha! Der Ratsherr verbarg sich zitternd
vor Angst hinter dem König, doch dieser sagte tapfer: Das
könntet Ihr natürlich tun. Doch wer würde dann dafür sorgen,
dass Ihr jeden Tag etwas zu essen bekommt?
Ach König das war doch nur ein
Scherz, sagte der Drache in seinem freundlichsten Ton. Der
Ratsherr blickte erleichtert auf. Alte Kerle, wie ihr
beide, sind doch viel zu zäh ber wisst Ihr as? Bringt mir
künftig jeden Morgen ein junges Mädchen zum Frühstück. Köstlich!
Der König und der Ratsherr waren
schockiert. Ein.....ein....junges Mädchen?, stammelte der
König entgeistert. ?Ich kann Euch frischen Fisch bringen lassen
oder köstliche Schinken. Mein Koch kann Euch jeden Tag eine
Mahlzeit mit wertvollem Pfeffer und den leckersten Früchten
zubereiten. Der König zählte weitere Leckereien auf, um den
Drachen auf andere Gedanken zu bringen.
?Nein, mein Königlein ? ein herrlich zartes Mädchen muss es sein
jeden Tag eines! Ansonsten gibt es Ärger!, brüllte der Drache
wütend. Er drehte sich um, und mit seinem schrecklichen Schweif
beförderte er die beiden Männer aus dem Morast hinaus.
Zurück am Schloss
Klitschnass und völlig zerzaust
kehrten sie später zurück in das Schloss. Ruf das Volk
zusammen, ordnete der König an. Ich habe etwas sehr
wichtiges mitzuteilen. Nur kurze Zeit später standen Hunderte
Menschen im Innenhof des Schlosses. Der König sprach mit fester
Stimme zu ihnen:
?Liebe Bürger! Nachdem der Drache all unsere Schafe aufgefressen
hat, will er nun jeden Tag eines unserer Mädchen zum Frühstück.
Deshalb werden wir jeden Tag ein Mädchen opfern müssen. Ein
erschrecktes Gemurmel erhob sich. Ich verstehe, wie Sie sich
fühlen und ich fühle mit Ihnen, sagte der König mit leiserer
Stimme, doch wir alle wissen, was der Drache anrichten
kann, wenn wir uns nicht seinem Willen beugen. Er wird aus
seinen Sümpfen kommen und Tod und Verderben über uns bringen und
er wird unsere Häuser in Brand stecken und für Überflutungen
sorgen. Der König schwieg kurz und blickte auf sein Volk
hinunter. Dann sprach er weiter:
?Solange der Drache lebt, müssen wir tun, was er von uns
verlangt. Deshalb lobe ich Tausend und eine Dukate für
denjenigen aus, der ihn besiegt. Lasst uns hoffen, dass wir auf
diese Weise schnell von dem Monster befreit werden!
Danach stellte der Ratsherr einen großen Kelch auf das Podest,
in dem sich Hunderte Zettel befanden. Sie enthielten die Namen
aller Mädchen aus dem ganzen Land. Der König mischte alle Zettel
durcheinander und sagte: Künftig werde ich jeden Tag einen
Zettel ziehen. Das Mädchen, dessen Namen ich vorlese, wird am
nächsten Tag geopfert. Der König konnte seine Tränen kaum
zurückhalten, als er seine Hand in den Kelch führte.
Doch plötzlich erklang eine Stimme: Halt! Es erschien die
Tochter des Königs. Ihr habt mich vergessen, Vater, sagte die
Prinzessin leise und warf tapfer einen Zettel mit ihrem Namen in
den Kelch. Aber Liebes, stammelte der König, obwohl ihm
klar war, dass es keinen Zweck hatte, seiner Tochter zu
widersprechen. Im ganzen Land ließ der König Plakate aufhängen.
Darauf stand:
| |
Drachenjäger unverzagt
Höret, was der König fragt
Wer den Drachen hat besiegt
Tausend und eine Dukate kriegt
Jeder Ritter, der dies liest:
Zieh hinaus und schlag das Biest! |
|
Eine
schreckliche Zeit brach an. Jeden Morgen wurde dem Drachen ein
Mädchen geopfert. Zudem verschlang der Drache auch viele starke
junge Männer. Sie hatten versucht, ihn zu besiegen, doch
zerschellten ihre Schwerter an dem harten Drachenpanzer. Der
König wurde immer trauriger; er wusste keinen Rat. Und eines
Nachmittags geschah, was er seit Wochen befürchtet hatte: Er zog
einen Zettel aus dem Kelch und las den Namen seiner eigenen
Tochter vor.
Mit Tränen auf den Wangen wandte er sich an sein Volk und
schluchzte: ?Gibt es denn niemanden, der den Drachen besiegen
kann? Der König schwieg kurz und sagte dann: Hiermit schenke ich
dem Ritter, der den Drachen besiegt, nicht nur Tausend und eine
Dukate, sondern er darf auch noch morgen meine Tochter heiraten!
Eine Welle der Aufregung rollte durch die Menge und der König
sagte: So wird er eines Tages unser schönes Königreich
regieren.
|
|
| |
|
|
 |
| |
|
|
| |
Herrscher über
Feuer und Wasser
In dem Moment schwang das Tor auf
und ein Reiter gelangte auf den Hof. Es war ein hübscher junger
Mann mit blonden Haaren und blauen Augen. Er sah aber nicht
besonders groß und stark aus. Er schwang sich aus dem Sattel und
sprach zum König: Majestät, gebt mir Waffen und ich
besiege den Drachen!
Die Menschen blickten ihn erstaunt an und der König fragte:
Wer bist du denn? Ich bin Georg, entgegnete der Junge. Ich
bin extra gekommen, um den Herrscher über Feuer und Wasser zu
bekämpfen.
?Aber wie willst du das tun?, fragte der König. Der Drache
ist sehr stark und hat schon viele tapfere Ritter besiegt.
Man muss den Drachen dort treffen, wo er
verwundbar ist, antwortete Georg. Ich wünsche dir viel
Glück, sagte der König, doch seine Miene strahlte wenig
Zuversicht aus. In unserem Zeughaus findest du Harnische,
Schilde und Waffen. Vielen Dank, antwortete Georg,
Ihr könnt Euch auf mich verlassen.
Daraufhin ging er zum Zeughaus
und nahm den kleinsten Harnisch. Er passte wie angegossen.
Danach nahm er einen Schild und eine Lanze, die etwa doppelt so
lang war, wie er selbst. Dann bestieg er sein Pferd und zog in
den Wald. Gegen Abend erreichte Georg die nebeligen Sümpfe.
Der Drache musste herzhaft lachen, als er den kleinen Ritter
sah. Wrahaha! Das wird ja immer schöner! Um seinen Worten
Nachdruck zu verleihen, schlug er mit seinem Schweif auf das
Wasser und der Sumpf verwandelte sich in einen tosenden See. Er
öffnete sein Maul und WUSCH die Flammen steckten zwei Nadelbäume
am Ufer in Brand.
?Und mit wem habe ich die Ehre?, fragte der Drache. Georg sprang
von seinem Pferd und sagte: Ich bin Georg, der einzig
wahre Herrscher über Feuer und Wasser. Der Drache blickte einen
Moment lang überrascht drein, doch dann brach er in Gelächter
aus.
Wrahaha! Du? Herrscher über Feuer
und Wasser? Ist dir vielleicht entgangen, was ich soeben getan
habe? Natürlich nicht, sagte Georg, doch das ist ein
Kinderspiel gegen das, was ich getan habe. Der Drache schaute
noch überraschter drein, und Georg sprach weiter. Ich habe
das Wasser des Ozeans in Brand gesteckt! Das Wasser des
Ozeans?, brüllte der Drache. Das ist unmöglich! Und
ob das möglich ist, sagte Georg. Das ganze Meer steht
zurzeit in Flammen, überzeug dich selbst. Du kannst es von hier
aus brennen sehen.
Und dann deutete Georg auf die rote Abendluft über den Bäumen.
Die Sonne ging an jenem Abend so prachtvoll unter, dass es so
schien, als würde in der Ferne ein enormer Brand wüten. Der
Drache war fassungslos. Das kann nicht wahr sein, murmelte
er und richtete sich auf, um besser sehen zu können. ?Ich sehe
tatsächlich eine rote Glut?, sagte er zögernd. Streck dich
noch ein wenig weiter aus, sagte Georg, dann kannst du die
Flammen sehen!
Und als sich der Drache ganz ausgestreckt hatte, sprang Georg
auf und bohrte seine Lanze in das Herz des Drachens. Ein Schock
ging durch den Drachenleib. Einen Augenblick lang blieb er
stocksteif stehen um anschließend mit unbändigem Gebrüll
rücklings in den Sumpf zu stürzen. Der fürchterliche Schrei des
Drachen war im ganzen Land zu hören aber nur einen kurzen Moment
lang. Der Drache war tot.
Der Drachentöter
wurde wie ein Held empfangen. Banner wurden ausgerollt,
Trompeten und Jubelschreie erklangen. Georg wurde auf einem
Ehrenpodest gehuldigt.
?Lieber Georg, sagte der König, du hast Wort gehalten und
den Drachen besiegt. Wir sind dir ewig dankbar, und du hast
deine Belohnung verdient. Tausend und eine Dukate und die Hand
meiner Tochter. Georg machte eine Verbeugung und sagte:
Majestät, es tut mir leid, ich werde Eure Tochter nicht
heiraten. Mein Herz gehört derjenigen, die ich liebe. Der König
blickte ihn verwundert an, und Georg sagte: Majestät,
verteilt die Dukaten unter den Menschen Eures
chönen Landes. Dann brach ein gewaltiger Jubelsturm los. Und bevor der
König noch etwas sagen konnte, nahmen die Menschen Georg auf die
Schultern. Sie warfen ihn in die Luft und fingen ihn wieder auf,
sie sangen und sie tanzten. Später in der Nacht verließ Georg
unbemerkt das Fest und ritt auf seinem Pferd von dannen. Niemand
hat ihn jemals wieder gesehen.
Doch die Menschen in dem kleinen Land lebten noch lange und
glücklich ......
|
|
| |
Quelle: Presseabteilung Efteling
|
|
| |
|
|
| |
|
|
| |
|
|
| |
|
|
| |
|
|
| |
|
|
| |
|
|
| |
|
|
|